Goldakupunktur

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Goldakupunktur – Golddrahtimplantation (GI) – In Frage und Antwort

 

Was ist Goldakupunktur (GI)?

Die Goldakupunktur oder genauer gesagt die Golddrahtimplantation (GI) ist eine moderne Form der Schmerztherapie, die den Lehren der Akupunktur folgt.
Die GI ist als operative Methode zu bezeichnen, die genau wie andere Op-Verfahren ihre Indikationen und Grenzen hat. In seltenen Fällen gibt es Überschneidungen mit anderen Methoden, wo dann abzuwägen ist, welche Methode zum Einsatz kommen soll. Doch in den meisten Fällen von Schmerzen aufgrund von Gelenkserkrankungen ist die GI die Methode der Wahl. Die GI kann sogar in vielen Fällen eine Ergänzung zu chirurgischen Verfahren sein.

 

Was wird bei der GI gemacht?

Bei der GI werden Golddrahtstückchen (Durchmesser 1mm, Länge 2 – 3 mm, 24 Karat Gold) an Akupunkturpunkte im Gewebe implantiert. Je nach Lage des Punktes liegen die Golddrahtstückchen dann an einer Gelenkkapsel, an einem Knochen, an einem Muskel-Sehnen–Übergang oder auch in der Muskulatur.

 

Wo kommt die GI her?

Die Goldakupunktur leitet sich von der bekannten, traditionellen Nadelakupunktur und der Neuraltherapie ab. Seit ca. 20 Jahren wird die Methode in der Tiermedizin eingesetzt. Am Anfang (in den späten 1970er Jahren) stand die Behandlung der Epilepsie des Hundes, bei der Goldkügelchen an Akupunkturpunkte der Kopfregion implantiert wurden. In den achtziger Jahren begannen die Arbeiten am Bewegungsapparat des Hundes. Auch beim Menschen wurde die GI mit geradezu verblüffendem Erfolg angewandt.

 

Bei welchen Krankheiten wird die GI eingesetzt?

Die GI wird bei allen schmerzhaften Zuständen im Bewegungsapparat des Hundes eingesetzt. Zum Bewegungsapparat gehören die Gelenke, aber auch Muskeln und Sehnen sowie die Knochen.

 

Welche Erkrankungen sind das im Einzelnen?

Hüftgelenksdysplasie (HD) ohne und mit Arthrose Spondylosen und Spondylarthrosen der Wirbelsäule Dackellähme, Bandscheibenerkrankungen, Rückenschmerzen Ellbogengelenksdysplasie (ED) ohne und mit Arthrose Cauda-Equina-Compressions-Syndrom (CECS) Kniegelenksarthrose mit und ohne Kreuzbandriss Muskel – und – Gelenkschmerzen anderer Ursache

 

Hilft die GI auch bei Gelenken, die schon eine Arthrose haben?

Ja! Das Haupteinsatzgebiet der GI sind gerade die chronisch–degenerativen Gelenkerkrankungen des Hundes. Bei diesen Erkrankungen ist es ja meist schon zur Bildung einer mehr oder weniger starken Arthrose gekommen. Eben hier sind auch die erstaunlichsten Erfolge der GI zu verzeichnen. Hunde, die nur noch eine kurze Strecke laufen konnten, und auch dies nur mit Schmerzmitteln, können wieder ein Leben mit hoher Lebensqualität führen, ohne Medikamente oder mit sehr stark reduzierter Schmerzmittelgabe.
Die Weiterentwicklung der Arthrose wird durch die GI verlangsamt, evtl. sogar gestoppt.

 

Wie erkenne ich, dass mein Hund Schmerzen hat?

Der deutlichste Ausdruck von Schmerzen ist die Schonung einer Gliedmaße, also eine Lahmheit. Schmerzen jedoch z.B. beide Vorder- oder Hinterbeine, ist das Erkennen einer Lahmheit schwierig. Der Hund bekommt dann einen klammen, verhaltenen Gang. Auch Rückenschmerzen äußern sich nicht in Form von Lahmheiten. Aber Sie werden vielleicht bemerken, daß Ihr Tier zurückbleibt oder sich häufig hinsetzt, auch einfach stehen bleibt, vielleicht sogar während des Spielens. Oder der sonst freudige Sprung in den Kofferraum des Autos erfolgt verzögert und Sie müssen nachhelfen.
Der Tierarzt wird durch Beobachtung (Gangbildanalyse) und Abtasten (Palpation) der Triggerpunkte den Schmerzort und die Schmerzursache herausfinden.

 

Gibt es eine obere Altersgrenze für die GI?

Nein! Auch alte Hunde können erfolgreich mit der GI behandelt werden.

 

Was ist die Frühdiagnostik?

Im 4. bis 5. Lebensmonat kommt es am Hüftgelenk des jungen Hundes zu entscheidenden Verknöcherungsvorgängen. Eine Schlüsselrolle kommt dabei dem sog. Os Coxae Quartum („4. Hüftknochen“) zu. Beim gesunden Hund ist der Knochenkern dieses kleinen Knöchleins zwischen der 16. und 20. Lebenswoche im Röntgenbild nachweisbar, ist er jedoch nicht vorhanden, steht fest, daß der Hund HD hat und Hüftprobleme bekommen wird

 

Kann man auch junge Hunde mit GI behandeln?

Ja. Denn gerade die Hunde, bei denen im Rahmen der Frühdiagnostik (siehe oben) eine HD festgestellt wurde, es aber noch nicht zur Bildung einer Arthrose gekommen ist (eine Arthrose braucht schließlich Zeit, um sich zu entwickeln), können durch frühzeitige GI vor der Entwicklung der gefürchteten Arthrose bewahrt werden.

 

Was ist der Unterschied zwischen Dysplasie und Arthrose?

Dysplasie heißt übersetzt Mißbildung und bezeichnet die Tatsache, daß ein Gelenk nicht richtig ausgebildet ist. Dies kann z.B. am Hüftgelenk (HD) oder auch am Ellbogengelenk (ED) vorkommen. Eine Dysplasie ist angeboren und vererbbar.
Die Folge einer Gelenksdysplasie ist dann die Arthrose. Bei der Arthrose kommt es zur Zubildung von Knochengewebe im Gelenk und um das Gelenk herum. Der Körper versucht, eine fehlende Stabilität durch Neubildung von Knochengewebe zu kompensieren. Eine Arthrose ist meist sehr schmerzhaft.

 

Soll man vor der GI eine „normale“ Akupunktur versuchen?

Die Körperakupunktur mit Nadeln ist kein Testfall für die Goldakupunktur. D.h. es ist nicht notwendig, mit Nadeln zu „probieren“, ob die Goldimplantate dann wirken würden. Die Methode ist inzwischen so ausgereift, daß die geeigneten Fälle im Vorhinein ausgewählt werden können. Andererseits steht eine durchgeführte GI einer späteren Nadelakupunktur (z.B. wegen einer anderen Erkrankung) nicht im Wege.

 

Kann die GI Gelenkserkrankungen oder Arthrose heilen?

Nein. Die GI kann aber die Schmerzen, die mit einer Gelenkerkrankung oder Arthrose verbunden sind, lindern oder ganz wegnehmen.

 

Was ist die Gangbildanalyse?

Oder: Welches orthopädische Problem führt zu welchem Bewegungsmuster?
Diese zentrale Frage in der Goldakupunktur wird in der Gangbildanalyse untersucht, die einen wesentlichen Teil der orthopädischen Untersuchung darstellt. Es wird nicht nur auf deutliche Lahmheiten geachtet, sondern auch auf Ausgleichsbewegungen und Schonhaltungen, die bestimmte orthopädische Probleme anzeigen.
In Kombination mit der sich anschließenden Palpation (= Abtasten der Triggerpunkte auf Schmerzhaftigkeit) ergibt sich ein vollständiges Bild der Schmerzsituation des Patienten. In der Verlaufskontrolle liefert die Gangbildanalyse Informationen über den Grad der Verbesserung.

 

Wie ist der Ablauf einer GI?

Nach dem Abschluß der orthopädischen Untersuchung (Gangbild, Palpation, Röntgen) wird ein Plan erstellt, welche Bereiche (Gelenke, Muskeln, Sehnenrinnen) mit Gold implantiert werden müssen.
1) Der Patient erhält nach einer Allgemeinuntersuchung und Untersuchung der wichtigsten Laborwerte eine Vollnarkose. Nach der einleitenden Spritze, die in die Vene gegeben wird, erfolgt die weitere Narkose mittels Inhalation, wobei das Narkosegas mit Sauerstoff vermischt vom Patienten eingeatmet wird. Eine intensive Überwachung per Dauer-EKG, Pulsoxymeter, CO2-Messung in der Ausatemluft, Atemzugvolumen, Pulsfrequenz und Blutdruck ist selbstverständlich.
2) Die Bereiche, die implantiert werden sollen, werden wie für einen chirurgischen Eingriff vorbereitet. Dazu gehören Rasur und Hautdesinfektion. Der Operateur trägt sterile Handschuhe, das Instrumentarium ist ebenfalls steril.
3) Mit einer kleinen Skalpellklinge wird über jedem Punkt ein winziger Schnitt durch die Haut gemacht. Dies ermöglicht eine optimale Führbarkeit der Nadel im tiefer liegenden Gewebe.
4)Die Kanülenspitze wird durch den Schnitt bis an den entsprechenden Punkt herangeführt, dann werden 1 bis 3 Goldimplantate mit der Pinzette in die Kanüle gelegt. Mit einem Mandrin werden die Implantate vorgeschoben und fixiert, dann werden nacheinander die Kanüle und der Mandrin zurückgezogen. Mit einem Fadenheft wird der Hautschnitt vernäht.
5) Kurze Zeit nach dem Abdrehen des Narkosegases erwacht der Patient und kann ca. eine halbe Stunde später die Praxis auf seinen eigenen 4 Pfoten verlassen.
6) Nach einer Woche werden die Fäden gezogen.

 

Sind Nachbehandlungen notwendig?

In der Regel sind keine Nachbehandlungen an einmal implantierten Punkten notwendig. Es können später, gerade bei älteren Patienten, Probleme an anderen Gelenken auftreten, die vorher nicht zu erkennen waren. Da es sich bei den Patienten der Goldimplantierung meistens um chronische Fälle handelt, deren Probleme durch die GI ja nicht geheilt, sondern die Schmerzen gelindert bzw. genommen werden, sind regelmäßige Nachuntersuchungen empfehlenswert. Hier wird dann vor allem Augenmerk auf den Zustand der Muskulatur und auf evtl. neu auftretende Gelenksprobleme gelegt. Zur Physiotherapie siehe weiter unten.

 

Was ist nach einer GI zu beachten?

Die Patienten haben nach einer GI 3 Wochen Leinenzwang einzuhalten. Da die Schmerzsituation der Hunde oft wenige Tage nach der Golddrahtimplantierung schon sehr deutlich verbessert ist, wollen die Tiere natürlich laufen und rennen. Die Muskeln und Sehnen haben sich aber auf Schonhaltungen eingestellt, sind verspannt und verhärtet. Würde sich der Hund nun frei bewegen dürfen, wird er sich in den meisten Fällen – aufgrund des neuen „Fahrgefühls“ – zu viel zumuten und dadurch seine untrainierten bzw. falsch trainierten Muskeln überfordern. Ein Wahnsinns-Muskelkater, der sehr schmerzhaft ist, wird dann die Folge sein (s. unten).

 

Warum ist nach der GI eine 3-wöchige Übergangszeit einzuhalten?

Der bis dato untrainierte bzw. auf Schonhaltungen eingestellte Bewegungsapparat wird im forcierten Schritt quasi physiotherapeutisch behandelt. Denn im Schritt ist der Hund gezwungen, seine Gelenke langsam und vollständig zu bewegen. In der Belastungsphase hat der Gelenkknorpel Zeit, sich mit Gelenkflüssigkeit vollzusaugen, in der Entlastungsphase wird das Bein von ganz hinten nach ganz vorne geführt. Im Trab oder Galopp sind alle diese Bewegungsphasen verkürzt.

 

Kann man parallel zur GI Physiotherapie anwenden?

Ja! Viele Patienten haben durch die Chronizität ihrer Gelenkschmerzen unter mehr oder weniger starken Muskelverspannungen und Muskelatrophien zu leiden. Hier kommt dann die Physiotherapie mit Massage, gezieltem Muskelaufbau, Magnetfeld und TENS-Gerät zur Anwendung.

 

Welche Nebenwirkungen hat die GI?

Bei sachgerechter Durchführung der GI treten keine Nebenwirkungen auf. Natürlich wäre die Ablage eines Golddrahtstückchens z.B. in ein Gelenk hinein ein grober Fehler. Die notwendige Qualifikation des Arztes wird weiter unten beschrieben.

 

Wie sind die Erfolgsaussichten der GI?

Die Erfolgsaussichten bei der GI liegen sehr hoch. In der Literatur wird berichtet, dass über 80 % der schwer arthrosekranken Patienten nach der GI ohne Schmerzmittel ein lebenswertes Hundeleben führen können. Die restlichen 20 % kommen zumindest mit stark reduzierten Schmerzmittelgaben aus, wobei lediglich ein Prozentsatz von unter 5 % der Patienten keine Besserung nach der GI zeigt.

 

Haben die Tierärzte, die die GI durchführen, eine besondere Qualifikation?

Selbstverständlich sind für eine korrekte und erfolgreiche GI grundlegende Kenntnisse in Akupunktur, Anatomie und Orthopädie notwendig. Darüber hinaus sind Fortbildungen, die sich speziell mit allen Fragen der Golddrahtimplantierung befassen, zu absolvieren. (Praxisseminare und Intensivkurse Goldimplantation, Bad Wildungen und Wien). Die Absolventen dieser Kurse sind zu regelmäßigen Auffrischungskursen verpflichtet, um eine hohe Qualität der Arbeit zu gewährleisten. Adressen können Sie auf folgender Web-Site (…wird noch ergänzt..) erfragen. Scheuen Sie sich nicht, in Zweifelsfällen nach der Qualifikation des Tierarztes zu fragen.

Wie hoch sind die Kosten einer GI?

Die Kosten der Golddrahtimplantierung variieren von Fall zu Fall. Das hängt insbesondere von der Zahl der erkrankten Gelenke, die behandelt werden müssen, ab. Auch der Umfang der Voruntersuchungen hängt von der jeweiligen Schwierigkeit des Falles ab. Da es sich um ein chronisches Krankheitsgeschehen handelt, ist oft erst nach einer sehr sorgfältigen orthopädischen Untersuchung mit Anfertigung von entsprechenden Röntgenbildern der Umfang der Goldimplantierung festzulegen. Um aber eine Zahl zu nennen: in der Regel liegen die Kosten im Bereich von 450.- bis 1.150.- Euro. Nach Abschluß der Voruntersuchung kann dann ein genauer Kostenvoranschlag gestellt werden.

 

Noch Fragen?

Sollten weitere Fragen bestehen, die Sie hier nicht gefunden haben, rufen Sie doch einfach an unter 0171-7 73 79 12 (Dr. v. Lützow).
Email-Kontakt unter h.v.luetzow@tier-arzt-praxis.de

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